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Zukunftsinvestition am Nordrand des Nadelholzgürtels [Holz-Zentralblatt]
Martinsons produziert seit einem Jahr mit flexibler Profilierlinie

 

pn. Schwedens größte Sägewerksinvestition im vergangenen

Jahr war die Installation einer komplett neuen Profilierlinie im nordschwedischen

Sägewerk Bygdsiljum. Dort hat der private Martinsons-Konzern seinen Sitz. Die

Linck-Linie bei Martinsons wurde nicht nur auf hohe Vorschubgeschwindigkeit, sondern
vor allem auch auf sehr viele Verstell- d. h. Optimierungsmöglichkeiten

ausgelegt, um ein Höchstmaß an Ausbeute zu erzielen.

Mit diesem hohen technischen Aufwand wird dennoch im wesentlichen

nordische Massenware produziert. Das hat etwas mit dem Rohstoff, den Märkten und

den Produktionskosten zu tun. Martinsons Hauptmärkte sind Japan, Großbritannien
sowie Norwegen und Schweden.





Kein Designerstück (obwohl es hier ein wenig so wirken mag),

sondern eine Schnittholz-Produktionsanlage. An der Stelle

des „Bullauges“ über dem Sägeneinlauf und dem ersten

Spanerpaar war früher der Platz des Bedienmannes.

Heute dient es nur mehr dem kurzen Kontrollblick in die Halle.

 

 


D
ie Entscheidung für eine Profilierlinie aus Deutschland hat im traditionell Band- und Kreissägenlastigen Norden wohl schon für einiges Aufhorchen gesorgt – und das nicht nur unter den dortigen Maschinenbaubetrieben. Auch Familie Martinson war lange Jahre von der Zweckmäßigkeit der Bandsägentechnologie für ihre Produktion überzeugt. Das Schwachholz ließ man bisher über eine Veisto-Linie laufen.


Zum Beginn des neuen Jahrtausends war die Hauptlinie, die Bandsägenstraße, 30 Jahre alt, deswegen aber nicht veraltet. Dennoch hatte sie ihre besten Jahre hinter sich und das Nachdenken über eine Ersatzinvestition wurde intensiver. Bei gleichzeitig nachlassendem Schnittholzmarkt rückte der Zeitpunkt für eine Entscheidung näher. Dennoch ließ man sich viel Zeit (von 2000 bis 2005), um keine Fehlentscheidung zu riskieren. Dass es dann eine Profilierlinie wurde, hat nicht nur mit den sich weiterentwickelten Ausbeutewerten dieser Technologie und den mit der höheren Leistung verbundenen niedrigeren Produktionskosten zu tun, sondern gerade auch mit der gewählten Herstellerfirma zu tun, der Firma Linck HVT.


Lincks beharrlicher und intensiver Beratungstätigkeit, gerade auch durch ihre schwedische Vertretung Loab (abgeleitet von Lennart Otterbeck AB, Örebro) ist es wohl zu verdanken, dass der Auftrag letztlich ins badische Oberkirch kam. Lincks Profilierlinien hatten im Norden lange Jahre den Ruf, „Hackschnitzelproduktionsanlagen mit geringer Ausbeute“ zu sein. Damit hat der Hersteller in Nordeuropa nun eine weitere Referenzanlage platziert, die dies widerlegt – noch dazu eine mit viel Drum und Dran.


Aber nicht nur die Sägelinien wurden ersetzt, sondern eigentlich alles von der Rundholzaufgabe (Tähkä) über die Entrindung (Valon Kone), die Rindenaufbereitung (GVC) bis zur Hauptwarensortieranlage (Renholmen) und der Hackschnitzel- und Späneentsorgung (Bruks Klöckner). Die Höhe der Gesamtinvestition belief sich auf 190 Mio. SEK, umgerechnet rund 20 Mio. Euro. – sehr viel für schwedische Verhältnisse. Denn vor Windwurf „Gudrun“ befand sich Schwedens Sägeindustrie insgesamt in recht schwieriger Lage.

Vom ersten Spatenstich bis zum ersten Teststamm vergingen nur neun Monate. Das es so gut – und vor allem besser als von den Martinsons erwartet – lief, ist wohl nicht nur der Erfahrung der Lieferanten, sondern auch der guten Vorarbeit und der professionellen Projektbegleitung des Investors zu verdanken.

Um so wenig Produktionszeit wie möglich einzubüßen, lief der Bau des neuen Profilierwerks in Bygdsiljum mit der Produktion auf den alten Linien weit gehend parallel. Lediglich in den üblichen Betriebsferien im Juli 2005 ruhte sie völlig. Im November, also kurz bevor sich die internationalen Schnittholzmärkte preislich zu erholen begannen, wurde das neue Sägewerk eingeweiht. Die seitdem eingetretene Boom-Phase für Nadelschnittholz konnten die Martinsons also voll mitnehmen. Trotz Umbaus wurden zwischen den Sommerferien 2005 und den Sommerferien 2006 190 000 m³ Schnittholz erzeugt (Zwei-Schicht-Betrieb an fünf Wochentagen). Bis zu den Sommerferien 2007 sind etwa 220 000 m³ (etwa 60 % Fichte, der Rest Kiefer) budgetiert. Mit dieser Menge ist Bygdsiljum eines der großen Werke Schwedens, trotz kleiner Stämme mit durchschnittlich 17,5 cm Zopf.

Ihre hohe Flexibilität ist das wesentliche Merkmal der neuen Sägelinie bei Martinsons. Jeder Stamm wird einzeln beurteilt nach Dimension, Krümmung, Konizität und Ovalität, um eine möglichst hohe mengen- und qualitätsmäßige Ausbeute zu bekommen.

Die hohe Sägeliniengeschwindigkeit bis zu 150 m/Min. (oder etwa 35 Blöcke) stellt außerdem hohe Anforderungen an die Anlagen davor und dahinter.

Da in Nordeuropa am Rundholzplatz in der Regel in Rinde vermessen und sortiert wird, muss das Holz am Kopf der Sägelinie geschält werden. Von der Entrindung (mit zwei Rotoren: einer für die Entrindung, einer zur Reduzierung) gelangt das Holz über einen neu entwickelten schnellen Revolverwender und einen Beschleunigungsrollengang in die Sägehalle – das Zopfende voraus.

Eine wesentliche Rolle für die Wahl des Herstellers stellte offenbar das Optimierungssystem (Microtec) dar. Auf der Linie kann gerade (aktiv und passiv), bogenfolgend, asymmetrisch oder auch diagonal zur Maschinenachse gesägt werden. Alle Seitenbretter können in der Breite, Dicke und Lage optimiert werden. Die 100 m lange Linie mit ihren sechs Maschinengruppen hat 70 verstellbare Achsen.


Im Anschluss an die Sägelinie sorgen groß bemessene Pufferstrecken dafür, dass bei eventuellen Störungen in der Sortierung oder Lattenlegung (automatisch!) die Sägelinie erst nach etwa einer Stunde Produktion (!) gestoppt werden muss. Die Frischsortieranlage ist auf 160 Planken pro Minute (Hauptware) bzw. 120 Bretter (Seitenware) ausgelegt. Die Hauptwarensortierung mit 20 Absenkboxen wurde neu gebaut, die Brettersortierung (mit 30 Absenkboxen) im Zuge der Investition generalüberholt. Bei der Konzeption der Anlage wurde nicht nur auf die Minimierung der Stammabstände auf der Linie geachtet, sondern auch auf hohe Hackschnitzelqualität (Stufenmesserköpfe mit geschlossenem Sägering) und Wartungsfreundlichkeit (verbesserte Zugänglichkeit der Werkzeuge).



 

 


Wenn alles läuft, ist der Job fast langweilig: Der Sägelinienführer wird durch stark automatisierte Prozesse weit gehend entlastet, er übt in erster Linie Kontroll- und „Feuerwehr“-Funktionen aus, wenn ‘mal etwas nicht ganz so läuft, wie es sollte. Holz bleibt ja auch auf einer Linck-Linie ein Naturprodukt.


Die Stammzwischenräume werden so optimiert, dass die Zeit reicht, um die Werkzeuge zu verstellen. Und das bei einer Liniengeschwindigkeit bis zu 150 m/Min.

 

Genug Holz bis in den Herbst hinein: Blick über die Rundholzaufgabe auf vorsortiertes Rundholz. Nordschwedens Sägewerke haben in erster Linie Schwachholz als Rohstoff zur Verfügung. Dafür müssen die Linien schneller laufen. Dennoch muss sich auch ein nordschwedischer Säger so seine Gedanken machen, wie und wo er den Rohstoff für weiteres Wachstum herbringt.

Blick in die Sägehalle bei Martinsons, im Allgemeinen menschenleer und als fast steril zu bezeichnen. Über die Luftaustritte an der rechten Wand wird die Temperatur in der Halle auf konstant 20 °C gehalten, sommers wie winters. Absaugungen und Einhausungen der Aggregate tun ihr übriges. Staubig, stickig oder eisig kalt: der „Klimawandel“ hält auch im Sägewerk Einzug.



Das Sägewerk ist aber nur ein Teil der Produktion, denn das Unternehmen ist stark in der Weiterverarbeitung engagiert. Die reicht von Leimholz über Leimbinder bis hin zu Decken- und Wandelementen (verleimte Brettsperrholztafeln) und hölzernen Brücken (Martinson-Tochterunternehmen „Svensk Träbroar“). Im Gespräch mit dem Holz-Zentralblatt äußerten sich Martinsons-Geschäftsführer (VD) Lars Martinson und Produktionsleiter Olov Martinson sehr zufrieden über die gegenwärtige Preissituation bei Schnittholz: so gut wie lange nicht mehr, auf jeden Fall besser als zum Investitionszeitpunkt. Die neue Sägelinie kam also genau zum richtigen Zeitpunkt. Etwas Sorge bereitet beiden die künftige Rohstoffversorgung. Mit der Investition ist natürlich auch der Holzbedarf gewachsen. Und Schwedens Regierung setzt stark auf Bioenergiegewinnung. Außerdem sollen Lkw-Transporte durch eine Maut verteuert werden. Auch mit der Preissituation für die Produkte der Weiterverarbeitung, gemeint sind hier in erster Linie Standard-Brettschichtholz und Leimbinder, ist man „nicht ganz glücklich“. „Auf die Weiterverarbeitung hätte man aus heutiger Sicht verzichten können“, hört man Olov Martinson sagen. „Mit Schnittholz ist derzeit viel mehr verdient.“ Olov Martinson schränkt seine Aussage aber sofort ein: langfristig wollen die Martinsons eben doch nicht auf eine hohe Fertigungstiefe verzichten. Die Diversifizierung das Familienkonzerns in drei Sägewerke (Bygdsiljum, Wallmarks, Hällnäs), die Herstellung von Holzbaukomponenten, den Holzhandel und den Holzbrückenbau, belegt das.


Dachbinderfertigung


Hinter den Trocknungsstapeln der Skihang
von Bygdsiljum.
Soziale Verantwortung: Mag bei uns nicht
so wichtig sein, bei Martinsons gehört das
Thema zur Unternehmensphilosophie.
Sie erstreckt sich auf die Mitarbeiter,
ihre Familien und das ganze Dorf.
Martinsons stellt immer wieder Mittel
bereit, um die Attraktivität des Standortes
als Arbeitsplatz zu erhöhen. So auch für
dieses Projekt, das von einem Verein
betrieben wird und dessen Mitglieder
überwiegend im Werk arbeiten.


Die höhere Leistung im Sägewerk erfordert Folgeinvestitionen an anderer Stelle. Derzeit werden ältere Kanaltrockner abgerissen, um Platz für moderne Anlagen (Valutec) zu schaffen. Ein neues Kesselhaus (Saxlund) soll folgen.

Ein Blick in die Weiterverarbeitung bei Martinsons: Holzbauelemente (hier fertige Deckenelemente mit Isolation, Lüftungskanälen usw.).

Leimholzfertigung, nicht nur für den Export, sondern auch für die eigenen Brückenprojekte. Und zunehmend auch für mehrgeschossige Holzbauten.

 



Quelle: Holz-Zentralblatt